|
Schon seit meiner Kindheit beschäftige ich mich mit
diversen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Ich
malte und zeichnete viel und schrieb ein paar Geschichten.
Manchmal entstanden auch Skulpturen.
Im Kunstpädagogik-Studium an der LMU München lernte
ich zusätzlich etwas Goldschmieden und diverse
Drucktechniken. Mit der Zeit verschob sich mein Interesse vom
Zweidimensionalen zu dreidimensionalem Arbeiten. So betraten
einige Glas- und Bronzefiguren diese Welt und ich wagte auch
einen Vorstoß ins Flachglas. Am liebsten ist mir das
langsam Wachsende oder spontan Entstehende.
Im Winter 2003 lernte ich das Filzen kennen. Ich verliebte
mich sofort in dieses weiche, bunte und doch eigenwillige
Material. Für mein Gefühl beteiligt es sich stark am
Schaffensprozeß.
Wenn ich meine Hände das Material bearbeiten lasse,
entstehen plötzlich unvorhersehbare Formen, die
Assoziationen auslösen und so das Ergebnis verblüffend
verändern können: Hüte werden zu Schalen, zu
Monsterblumen, zu inneren Organen. Heiligtümer werden zu
Eiern. Ich warte, daß sich mein nächster Schal in
Baumrinde verwandelt.
Während so auf materieller Ebene bloß
Wollfäden zusammengefügt werden, verknüpfen sich
in mir und zwischen der Wolle und meinen Händen Bilder und
Geschichten. Diese plötzlich auftretenden Artefakte liegen
oft eine Weile aus Teile herum, bis eine andere Form reif ist und
das Material in diese hineinwächst. Kleine Filz-Körper
träumen von ihrer Funktion und endgültigen Gestalt.
Manchmal vervollständigt sich eine Figur erst durch ihre
Geschichte.
Alles ist möglich. Deshalb fasziniert mich Filz, auch
wenn er langsam meine Wohnung zuwuchert. |